Märkische Allgemeine Zeitung am 12.01.2017


Von Andrea von Fournier

Rangsdorf (MAZ) Mit der Frage, warum es auf deutschen Autobahnen kein Tempolimit gibt, haben sich Schüler der Rangsdorfer Seeschule bei einer Veranstaltung beschäftigt. Dazu hatten sie die Autorin eines ZDF-Films über das Thema eingeladen.
Gespannt erwarteten Schüler des Kunstkurses der 11. Jahrgangsstufe der Rangsdorfer Seeschule, Eltern, Großeltern und Lehrer am Dienstagnachmittag zum Abschluss eines Projekts die Mainzer Journalistin Simone Müller. Sie arbeitet seit 1992 für die Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen des ZDF und hat mit ihrem Kollegen Bernd Weisener den halbstündigen Film „Rasen erwünscht. Warum Deutschlands Autofirmen kein Tempolimit wollen“ gedreht. In der Reihe „ZDF zoom“ wurde er 2015 ausgestrahlt.

Intensive Beschäftigung mit dem Thema

In den vergangenen Monaten hatten sich die Jugendlichen den Film im Unterricht angesehen und intensiv mit dem Thema „Tempolimit“, mit Argumenten von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Interessenverbänden für und wider das Limit befasst. Unter der Leitung von Kunstlehrerin Barbara Petschan koordinierten die Schüler Sandro Purann und Magnus Walter die Abschlussveranstaltung. Die beiden hatten an das ZDF geschrieben und die Filmemacherin eingeladen. Ebenso luden sie den Leiter der Brandenburger „Ökofilmtour“, Ernst-Alfred Müller, ein, weil der Film „Rasen erwünscht“ einer der Beiträge der durch Brandenburg tourenden „11. Ökofilmtour“ war und nun in Rangsdorf letztmalig ausgestrahlt wurde, bevor die 12. Tour startet.

Entspanntes Fahren im Ausland

Nach der Begrüßung und einer Filmeinleitung zeigte Ernst-Alfred Müller den Streifen. Obwohl die Jugendlichen den Film gut kannten – Magnus beispielsweise sah ihn ein halbes Dutzend mal – verfolgten alle das Geschehen aufmerksam, um anschließend Fragen an die Autorin formulieren zu können. Die Motivation für Simone Müller, den Film zu drehen, rührt von Autofahrten im Ausland: „Weshalb fährt man hier viel entspannter als bei uns? Es wird nicht gerast, das Tempo ist limitiert“, war ihre Antwort.

Interviews mit Anwohnern, Politikern und Verbänden

Simone Müller wollte genauer erforschen, warum das Thema Tempolimit in „Auto-Deutschland“ seit Jahren im Gespräch ist, eine Einführung jedoch nie ernsthaft in Betracht gezogen wird. Müller und Weisener besuchten Raser und von Lärm und Abgasen geplagte Autobahnanwohner, verblüfften junge Autofahrer mit dem hohen Spritverbrauch bei hohem Tempo, schauten ins Ausland, wie sich die Zahl der Unfalltoten nach Tempolimit entwickelt und versuchten, Abgeordnete, Kommunalpolitiker, Minister, Gewerkschaften und Verbände zu Interviews zu bewegen.

Autoindustrie häufig im Kanzleramt

Letzteres gelang nicht immer. Spannend war, dass es innerhalb der Parteien abweichende Stimmen und es bei manchen durchaus Engagement für Tempolimit gibt. Die Autoren fanden heraus, dass Vertreter der Autowirtschaft in drei Jahren 33 Mal im Kanzleramt waren, so oft wie kein anderer Wirtschaftszweig. Dass Politiker direkt von der Regierungsbank auf leitende Wirtschaftsposten wechseln, hält Simone Müller für ebenso fatal wie Lobbyismus und Parteispenden.

Viel Kritik im Internet

Die Schüler fragten die Autorin, ob sie den Film auch gemacht hätte, wenn sie die große Kritik vorher geahnt hätte. Von der kann man sich im Internet überzeugen. „Hätte ich“, war die klare Ansage der engagierten Filmemacherin. Die Erwachsenen waren von den Fakten im Streifen sichtlich beeindruckt, die Schüler zumindest für das Thema sensibilisiert. „Ich finde, dass beim Fahrunterricht zu wenig auf das Tempolimit eingegangen wird“, sagte Schüler Can auf dem Podium. „Ich mache gerade meinen Führerschein. Meine Mutter fährt schnell, mein Vater noch mehr. Ich schätze, dass ich das auch tun werde“, war Aussage eines anderen Projektteilnehmers.




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