Geschichte der Ökofilmtour

Die Geschichte des Brandenburgischen Festival des Umwelt- und Naturfilms Ökofilmtour beginnt eigentlich in Freiburg, Baden-Württemberg. Dorthin reiste 1990 das Redaktionsteam der noch sehr jungen Sendereihe OZON des DDR-Fernsehens, um das internationale Umweltfilmfestival „ÖKOMEDIA – Tage des ökologischen Films" zu besuchen. Der freundliche Empfang und das große Engagement des 1984 gestarteten Umweltfestivals sorgten für viel Inspiration beim OZON-Team, dass sich große Sorgen machte über die Zukunft ihrer Sendung. Eine ganz entscheidende Antwort und Anregung gaben Heidi Knott und Host Hamm von der ÖKOMEDIA dem OZON-Team: Gründet doch einen gemeinnützigen Verein. Im Mai 1991 wurde der „Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz (FÖN e.V.)" ins Leben gerufen, der später zum Veranstalter der Ökofilmtour werden sollte. Zu den ersten Mitgliedern gehörten Uta Greschner, Heiderose Häsler, Elke Weinert, Werner Peter, Ernst-Alfred Müller, Hellmuth Henneberg und Hartmut Sommerschuh. Die ausführliche Vorgeschichte zur Entstehung des FÖN e.V. ist in einem separaten Beitrag von Hartmut Sommerschuh nachzulesen. Zur Vorgeschichte.

 

Mit der Gründung des Fördervereins im Jahre 1991 begann auch die Idee der Ökofilmtour zu blühen, Schritt für Schritt: Ab 1994 sorgt der FÖN e.V. gemeinsam mit dem NABU und dem Umweltverein ARGUS Potsdam für die Ausweitung des Nachspiels in Brandenburg, wo nun auch in Cottbus, Lenzen an der Elbe, Eberswalde, Buckow/Märkische Schweiz, Angermünde und Templin ÖKOMEDIA-Filme touren. Zuvor zeigte die Freiburger ÖKOMEDIA seit 1990 eine Auswahl ihrer Filme in Erfurt, Rostock und 1991 erstmals auch im Potsdamer Filmmuseum. Insgesamt 15 Jahre lang werden so Teile des ÖKOMEDIA-Programms nachgespielt. Als schließlich das Freiburger ÖKOMEDIA-Festival Anfang 2005 in die Insolvenz gehen muss, gründete der FÖN e.V. auf Anregung von Ernst Alfred Müller die Ökofilmtour. Zuvor gab es noch Konsultationen mit dem damaligen Brandenburger Umweltminister Dietmar Woidke.

2006

Am 10. Januar 2006 ist es schließlich soweit: Die erste Ausgabe der Ökofilmtour eröffnet im Potsdamer Filmmuseum – mit Dietmar Woidke als erstem Schirmherrn des Festivals. Gleich das Auftaktfestival wurde 2006/2007 als offizielles Projekt des Landes Brandenburg für die UN-Weltdekade 2005 bis 2014 „Bildung für nachhaltige Entwicklung" durch das National-komitee und die UNESCO-Kommission zertifiziert. Und das erste Festival sorgte auch gleich für eine lebendige Umsetzung seiner Grundidee: die Begegnung und der Austausch zwischen Filmemacher*innen, Medienfachleuten, Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen, Umweltengagierten und natürlich dem interessierten Publikum aller Altersstufen.

 

Die allerersten Preise, vergeben am 25. März 2006 von einer Fachjury, gingen an „Bernhard Grzimek, ein deutsche Legende" von Thomas Weidenbach (Hauptpreis für die beste künstlerische Leistung), „Greenpeace gegen Shell" von Güsel Özkan und Ludger Pfanz (Preis für die beste journalistische Leistung), „Die wunderbare Welt der Pilze" von Karlheinz Baumann und Volker Arzt (Preis für den besten Naturfilm), „Der Baum der Bäume" von Herbert Ostwald (Preis für den besten Kinderfilm) und „Wasser unterm Hammer" von Leslie Franke und Herdolor Lorenz (Zuschauerpreis). Alle Preisträger*innen seit 2006 sind im Archiv der Ökofilmtour zu finden. Auch das Format der Ökofilmgespräche wurde bereits 2006 gestartet. Hierbei werden von Mai bis Dezember ausgewählte Filme des Festivals gezeigt, sowohl einmal im Monat im Filmmuseum Potsdam als auch bis zum Jahresende an anderen Orten in Potsdam und im Land Brandenburg. Auch hier diskutieren das Publikum und Expert*innen im Anschluss an jede Vorführung. Das erste Ökofilmgespräch fand am 12. September 2006 statt. Gezeigt wurde die rbb-Produktion "Landschaften für die Enkel – Eine Odertalreise mit Michael Succow" von Hartmut Sommerschuh. Im Anschluss diskutierte das Publikum mit Prof. Dr. Michael Succow über die Probleme der Großschutzgebiete anlässlich des „Jahres der Naturparke".

Wachstum und regionale Verwurzelung

Was auf 2006 folgte: Die Ökofilmtour entwickelte sich von da an kontinuierlich zum bedeutenden, dezentralen Kulturereignis der Region. 2006 sahen noch 3.500 Menschen in 23 Spielstätten das Programm. 2007, im zweiten Jahr, konnte die Ökofilmtour die Zahl der Spielorte und Besucher bereits deutlich steigern auf 6.300 Zuschauer*innen. 2008 waren es 7.500 Zuschauer*innen. Schritt für Schritt entwickelte sich das Festival mehr und mehr zu einer Plattform für Filmschaffende, Engagierte und das interessierte Publikum. Besonders im Fokus steht von Beginn an die regionale Verwurzelung, die durch die eine besondere Nähe zu den Menschen in Brandenburg und ihren Themen „vor der Haustür" entstand. Fünf Jahre nach der Premiere sahen im Jahr 2010 bereits 10.000 Menschen das Ökofilmtour-Programm. Heute, nach einem Corona-Knick, steuert das Festival wieder auf 7.500 bis 8.000 Zuschauer*innen zu.

Prominente Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft und Politik

Zahlreiche renommierte Filmemacher*innen zählten und zählen oftmals regelmäßigen zu den Festivalgästen, darunter Inge Altemeier, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Philipp Grieß, Jan Haft, Almut und Christoph Hauschild, Luc Jacquet, Andreas Kieling, Volker Koepp, Rolf Losansky, Doris Metz, Henry M. Mix, Herbert Ostwald, Thomas Riedelsheimer, Heinz Sielmann, Volker Schlöndorff, Bertram Verhaag, Irja von Bernstorff, Erwin Wagenhofer oder Wim Wenders. Zu den prominenten Gästen, Expert*innen oder Jurymitgliedern zählten Prof. Matthias Barth, Prof. Dr. Antje Boetius, Knut Elstermann, Dr. Hannelore Gilsenbach, Prof. Dr. Maja Göpel, Dr. Monika Griefahn, Christoph Hein, Prof. Pierre Ibisch, Prof. Harald Kächele, Dieter Kosslick, Thomas Krüger, Prof. Anders Levermann, Mariëtte Rissenbeek, Bernd Rubelt, Prof. Markus Rex, Hermann Scheer, Prof. Susanne Stürmer, Prof. Michael Succow, Kathrin Succow, Prof. Klaus Töpfer und Prof. Dieter Wiedemann. Und in den ersten 20 Jahren übernahmen Dietmar Woidke, Matthias Platzek, Anita Tack, Jörg Vogelsänger, Axel Vogel und Maja Göpel die Schirmherrschaften.

2022: Anerkennung und ein Wechsel

17 Jahre lang – von 2006 bis 2022 – machte Ernst-Alfred Müller als Festivalleiter die Ökofilmtour zu einer der wichtigsten Kultur- und Umweltveranstaltung des Landes Brandenburg. Zudem fungierte Jutta Schölzel von 2006 bis 2015 als Koleiterin des Festivals. Mit der 18. Ausgabe im Jahr 2023 übernahm die Produzentin Katrin Springer die Leitung des Festivals. 2025 konnte die Ökofilmtour ihre 20. Ausgabe feiern. Bis heute haben mehr als 150.000 Menschen in Brandenburg die über 900 Filme der Ökofilmtour gesehen und sind zu den zahlreichen Veranstaltungen geströmt, ob in Schulen, Gemeindesäle, Kirchen, Kornspeicher, Bahnhöfe, oder Rathäuser, die vorübergehend zu Kinosälen umgewidmet werden. Ohne die vielen, engagierten Menschen in den Orten keine Ökofilmtour. Die Jubiläumsausgabe der Ökofilmtour fand von Januar bis April 2025 in 89 Spielstätten in diesen 61 Orten des Landes Brandenburg statt: Ahrensfelde, Altlandsberg, Am Mellensee, Bad Belzig, Bad Wilsnack, Beeskow, Bernau, Biesenthal, Blankenfelde-Mahlow, Bölzke – OT von Pritzwalk, Brandenburg, Brüssow, Buckow, Chorin, Dahlewitz, Diensdorf-Radlow, Eberswalde, Fehrbellin – OT Linum, Feldheim, Frankendorf, Fürstenwalde, Gransee, Groß Glienicke – OT in Potsdam, Groß Pankow, Heideblick, Heidesee – OT Prieros, Joachimsthal, Jüterbog, Kleinmachnow, Königs Wusterhausen, Lebus, Lindow (Mark), Löwenberger Land – OT Liebenberg, Lübben, Lübbenau/Spreewald, Luckau, Luckenwalde, Ludwigsfelde, Müncheberg, Neuenhagen, Neuruppin, Oberbarnim, Oderaue, Oderberg, Perleberg, Petershagen, Potsdam, Reichenow, Rheinsberg, Stechlin, Strausberg, Templin, Trebbin – OT Blankensee, Treuenbrietzen, Unterspreewald, Wandlitz, Werder (Havel), Wittenberge, Wittstock, Ziethen – OT Groß-Ziethen, Zossen.

 

Fortsetzung folgt …

Stand: 17. April 2026